So, der erste Tag ist rum. Eine verspätete Niedergeschlagenheit ist weiterhin nicht eingetroffen, und wird es nun wohl auch nicht mehr.
Wie ich gestern schon erwähnte, hat’s da oben im Kopf Klick gemacht. Ich sehe die Kündigung tatsächlich nur als Chance zur Veränderung.
Natürlich bin ich traurig darüber, so schnell schon wieder die Firma verlassen zu müssen. Es hat mir dort sehr viel Spaß gemacht, ich hatte ein großartiges Team, mit dem ich gern zusammengearbeitet habe. Das riesige Getränkeangebot (inklusive Club-Mate!) war ebenfalls nicht zu verachten.
Nun aber zurück zum heutigen Tag:
Natürlich als erstes zur Agentur für Arbeit und mich dort vorsorglich angemeldet, dass ich demnächst arbeitslos bin bzw. sein könnte. Ich will es ja nicht hoffen, aber in diesem Staat sollte man sich schon auf alle Eventualitäten vorbereiten. Dabei hat die nette Bearbeiterin ein Haufen totes Holz mitgegeben. Das meiste muss ich ausfüllen bzw. ausfüllen lassen und im kommenden Jahr zur endgültigen Antragsabgabe mitbringen. Dieser Papierkrieg ist doch immer wieder Wahnsinn, zumal sie intern ja doch wieder alles elektronisch verarbeiten. Wie viele Wälder doch noch existieren könnten …
Dann zur Arbeit und meinem Tagesgeschäft nachgegangen, trotz Kündigung darf man ja seine Pflichten nicht vernachlässigen (und wie gesagt, es macht Spaß).
Während dessen aber immer mal auf Xing geschielt, da ich bereits letzte Nacht dort liegen gebliebene Angebote bearbeitet und eine Statusmeldung abgesetzt habe. Und man mag es kaum glauben, aber an Angeboten, zumindest in meinem Bereich mangelt es tatsächlich nicht. Nicht einmal in Berlin. In der Theorie bestätigt sich zumindest schon einmal das, was ich auf den vergangenen Usergroup-Treffen erlebt habe: nahezu alle Unternehmen, die etwas im Bereich Ruby entwickeln, suchen scheinbar Hände ringend nach personellem Nachschub.
Die Kehrseite der bisherigen Angebote war, dass alle in ihrem Anforderungsprofil ein abgeschlossenes Studium (der Informatik oder etwas Vergleichbares) erwarten. Liebe Stellenausschreiber, die Realität sieht meist ganz anders aus!
Ich habe in den letzten Jahren oft genug erlebt, dass die Weltgeschicke nicht im Studierzimmer entschieden werden. Viele meiner Bekannten und Kollegen haben selten ein abgeschlossenes Studium (und wenn, dann meist sogar völlig andere Fachgebiete), und wie in meinem Fall auch gar keine hochschulische Ausbildung.
Daher, liebe Stellenausschreiber, macht ihr es Menschen wie mir nahezu unmöglich, sich dem Anforderungsprofil entsprechend zu bewerben. Ihr verhindert damit, dass Quereinsteiger eine gleichwertige Chance auf die ausgeschriebenen Stellen haben wie Studierte. Das Problem ist dabei aber, dass erfahrungsgemäß nur wenige verschiedene Programmiersprachen in den Universitäten und Hochschulen (ich glaube ja fast, dass außer Java und irgendwas mit .NET kaum etwas anderes verwendet wird) angesiedelt sind. Wenn ihr weltfremde Theoretiker braucht, dann nur zu, aber die Unternehmen brauchen fähige Menschen, die reale Probleme lösen können mit den Werkzeugen, die vorgegeben sind. Mir ist bisher nicht bekannt, dass das auf die Ruby-Welt zutrifft. In aller Regel lernt man diese Sprache wohl zuhause, durch Internet und Usergroup-Treffen und Konferenzen und und und … aber sicher weniger in den Unis.
Und am besten lernt man die Sprache in einem Unternehmen, die eine konkrete Anwendung realisieren möchten. Ich will fast behaupten, dass ich in den knappen halben Jahr fast genauso viel in der Firma über Ruby gelernt habe, wie in den nahezu 3 Jahren zuvor auf eigener Faust. Dazu kommt, dass etablierte Open-Source-Projekte natürlich den Horizont ebenfalls erweitern können (nur lässt sich damit eher weniger Geld verdienen).
Kurz: ein Studium ist sicher keine verkehrte Sache, sollte aber meines Erachtens keine Grundvoraussetzung in einem Stellenangebot sein. Mit dieser harten Bedingung wäre ich wohl kaum zu meinem derzeitigen Arbeitgeber gekommen. Ich bin froh, dass ihnen andere Eigenschaften und Fähigkeiten wichtiger waren. Einige davon werden wohl auch nicht in einem Studium beigebracht bzw. sind menschliche Aspekte und nicht erlernbar.
Was lag denn sonst noch so an? Den Abend verbrachte ich auf der letzten RubyUserGroup Berlin für dieses Jahr. Es gab diesmal keine Vorträge, was ich sehr gut fand, da ich von Anfang an Gespräche suchen konnte, weitere Kontakte knüpfte und natürlich auch meine kommende Verfügbarkeit erklärte. Mit Vitamin B —gerade für Quereinsteiger in die Entwicklerwelt— schaffen sich manche Dinge leichter. Dieses ominöse Socialising ist tatsächlich etwas Gutes, besonders, wenn man es auch für sich zu nutzen weiß. (Im Marketingsprech wäre noch Networking als Buzzword zu erwähnen; aber Networking allein hilft nur bedingt, die Menschen hinter den vielen Firmen wirklich kennenzulernen.)
Nun muss ich noch einige Mails/Anfragen beantworten und morgen gibt es schon das erste Telefonat. Na, wenn das nicht ein guter Start in den Monat ist.
Übrigens: heute war auch Welt-Aids-Tag! Ich habe gespendet und die rote Schleife getragen, in der Hoffnung, dass auch andere Menschen sich daran erinnern, dass es andere Menschen gibt, denen es wesentlich schlechter geht.